Eine neue Methodik in der Reproduktionsmedizin stellt der Einsatz des Embryoscopes dar. Die Schwangerschaftsraten bei extrakorporaler Befruchtung (IVF/ICSI) haben sich durch den Einsatz des Embryoscopes inzwischen weltweit verbessert. Bei dem Gerät handelt es sich um einen Brutschrank welcher über eine mikroskopische Spezialkamera verfügt. Diese Kamera macht alle 20 Minuten sieben bis acht fotografische Aufzeichnungen verschiedener Embryos. Somit sind keine invasiven Maßnahmen mehr nötig um zelluläre und molekulare Veränderungen festzustellen.

Diese neuartige Entwicklung im Bereich der Embryo-Kultur hat verschiedene Vorteile:

– Die Entnahme der Embryonen aus dem Brutkasten zur näheren Ansicht ist überflüssig geworden. Eine eventuelle Schädigung bei Entnahme und Einsetzung kann somit ausgeschlossen werden.

– Verbesserte Analyse der Embryonen ist nun möglich und somit eine Gewährleistung höherer Qualitätsstandards.

Bei Brutschränken ohne Kamera wird die Entwicklung des Inhalts oft nur einmal am Tag überprüft. Eine Befruchtung lässt sich so zwar feststellen, eventuelle Störungen in der Entwicklung werden auf diese Weise aber nicht immer rechtzeitig erkannt.

Durch das Embryoscope kann sehr schnell ein für den Transfer geeigneter Embryo ermittelt werden (u. a. mithilfe der innovativen Sofware KidScore d3 von Vitrolife). Durch dieses Verfahren wird die Schwangerschaftsrate erhöht und gleichzeitig kann damit die Zahl der nötigen Therapien bis zum Eintreten einer Schwangerschaft reduziert werden.

Die Publikation Publikation Rubio 2014 Fert. Stert. stützt dieses Ergebnis ebenso wie die gesammelten Daten des MVZ PAN Instituts für Endokrinologie und Reproduktionsmedizin.

Dr. Bastian Schäferhoff | Leitender Biologe MVZ PAN Institut für Endokrinologie und Reproduktionsmedizin:

„In unserem Institut haben wir das Embryoskop seit 2012 bereits im Einsatz. Neben uns Biologen haben auch die behandelnden Reproduktionsmediziner Zugriff auf die Bilddaten des Embryoscopes, so haben die Patienten die Möglichkeit bei Ihren Arztterminen die Entwicklung ihrer Embryonen auf einem Tablet nachzuvollziehen.“

Vor dem Einsatz des Embryoscope wurde vielmals versucht durch invasive Methoden die Eizell- bzw. Embryonalentwicklung zu überwachen. Die Polkörperbiopsie (PKB, PBB) war dabei in diesem Zusammenhang ein oft angewandtes Verfahren. Das invasive „Screening“ (PGS) hatte jedoch einen negativen Effekt auf die Schwangerschaftsraten der Patientinnen. Die invasiven Verfahren beschränken sich daher zur Zeit nur noch auf die präimplantiven Diagnostik von monogenen Erkrankungen (PID).

Um den besten Zeitpunkt für den Transfer eines geeigneten Embryonen feststellen zu können ist eine intensive Beobachtung und Auswertung des gesammelten Bildmaterials nötig. So können Embryonen mit Fehlentwicklungen effektiv erkannt und ausgeschlossen werden. Der Transfer eines Embryos gestaltet sich folgend deutlich erfolgversprechender und Mehrlingsschwangerschaften können vermieden werden.

Die Kosten für die erweiterte Labortechnik welche bei dieser Methodik genutzt wird belaufen sich auf ca. 500 Euro. Diese Summe wird momentan nicht von den Krankenkassen übernommen und muss deswegen in Eigenleistung finanziert werden.